Teil 2 der Serie: Freizeitaktivitäten in der Fränkischen Schweiz

Grüne Hölle...unterwegs mit dem Mountainbike

 ImageMountainbiken im Bamberger Land. Das ist anspruchsvoll und anstregend. playGOLF!-Redakteur Enno Jochen Zerbes hat sich mit den Jungs vom „MTB-Treff“ auf eine Sonntags-Tour durch das Bamberger Umland und die Fränkische Schweiz begeben und kam dabei ganz schön ins Schwitzen.

 Text und Fotos Enno Jochen Zerbes Wo stehe ich konditionsmäßig? Kann ich mithalten oder werde ich zur „Bremse“? Zum ersten Mal schließe ich mich Christians MTB-Treff an. Sommersonntags treffen sich die Jungs um 8 Uhr morgens bei Max, einem 1,95m großen Ex-Landesliga-Kicker. Landesliga, alles klar. Lauter „Ausdauersäue“ also, logisch... Kaum erreichen wir den Stammberg (560m) hinter Schmerldorf, fliegen die Teilnehmer den Berg hoch, als ob es den gar nicht gäbe. Trittfrequenzen wie Nähmaschinen. Tempo halten? Ich versuch‘ mich an irgendein Hinterrad zu hängen. Bäng, bäng, bäng! Der Puls hämmert in beängstigendem Rhythmus an meine Schläfen. Keine Chance. Innerhalb von wenigen Minuten bin ich alleine und spiele mit dem Gedanken, mich oben an der Stammberghütte direkt wieder zu verabschieden. Ich will kein Showstopper sein. Steff kann ich wenigstens bis zur Hälfte des Anstiegs folgen. Dann ist auch der weg. In der Gruppe ans Ziel„Explosionsgefahr“, melden schließlich meine Beine ans Gehirn. Bevor die Oberschenkel aber detonieren, leite ich Gegenmaßnahmen ein und trete konsequent mein Tempo. Der Puls beruhigt sich, und das obere Teilstück wird flacher. Wenigstens etwas Erholung. Oben auf dem Stammberg biete ich Christian an, alleine weiterzufahren, um das Tempo der Gruppe nicht zu stören. „Quatsch! Fahr Dein Tempo. Wir sind in der Gruppe losgefahren und kommen in der Gruppe wieder zu Hause an“, ermutigt mich Chris. So viel Teamspirit tut gut. Weiter geht´s durch Neudorf bei Scheßlitz, Richtung Trockental und Heroldsmühle. Urlaub für die Beine! Denn ab Neudorf fahren wir die nächsten 30 Minuten überwiegend bergab hinein ins Trockental. Landschaftlich wirklich wunderschön und im Sommer, so wie heute, bei blauem Himmel und Sonnenschein ein unverzichtbares Highlight, das MTB-ler/innen mitnehmen sollten. Eine feine Belohnung für die Höhenmeter-Quälerei. Mitten im Trockental halten wir und genießen die Naturkulisse, sofern nicht die aggressiven Stechmücken-Schwärme über uns herfallen. Klar: Der Name Trockental lässt dies zwar nicht auf den ersten Blick vermuten, ist aber trotzdem ein Sumpfgebiet, wo sich die blutsaugenden Biester nun mal sehr, sehr gerne aufhalten. Aber woher kommen Feuchtigkeit und Wasser? Nach längeren Niederschlägen (meist im Frühjahr) sprudelt hier aus zwei sogenannten „Tummlern“ (Karstquellen, die den Rest des Jahres trocken bleiben) Wasser. Reste davon befinden sich, auch wegen den intensiven Regenfällen in der jüngsten Zeit, im Tal. Und mit der Feuchtigkeit bleiben halt auch die Mücken. Einen Power-Riegel später satteln wir jedenfalls wieder auf und cruisen durchs Tal hinunter zur Heroldsmühle. Kurz über die Straße und gleich hinauf nach Tiefenpölz. Dass ich auch diesen Anstieg alleine nehme, war zu erwarten. Ich muss mit der Kraft haushalten. Aber meine Zeit wird noch kommen. Und sie kommt. Nach Tiefenpölz eine kurze Abfahrt auf der Straße, der gleich wieder ein Anstieg folgt. Dicker Gang, kurbeln was das Zeug hält, mit Schwung hinauf und tatsächlich: Diesmal nicht Letzter. Gut für Moral & Motivation. Rechts von uns thront der Seigelstein (548 m). Wir rollen jetzt entgegen der Fahrtrichtung auf der Route 1 des MTB-Zentrums Heiligenstadt. Das wird eigentlich nicht gern gesehen. Denn die Streckenführung sieht vor, den Seigelstein von der anderen, uns direkt entgegenkommenden Seite zu bezwingen. Von Lindach aus wartet dann ein giftiger Anstieg, der es in sich hat. Aber den nehmen wir heute nun mal nicht. Und das ist gut so. Für mich zumindest. Endlich bergab!Während die Jungs direkt zum Seigelstein hoch wollen, um die Aussicht zu genießen, fahre ich mit Chris einstweilen weiter nach Teuchatz. Ab hier, so hat uns Chris versprochen, gibt’s ca. 30 Minuten lang feinsten Single-Trail. Und das Beste: Größtenteils bergab. Yesssss! Bedauerlicherweise können wirklich nur Ortskundige den Abzweig auf den Trail finden. Als wir auf einem Flurbereinigungsweg entlang rollen, bremst Chris plötzlich und biegt langsam links in den Wald ab, der sich uns wie eine grüne Mauer entgegenstellt. Und nichts, aber auch wirklich gar nichts deutet hier darauf hin, dass hinter dieser grünen Wand sogleich die „Grüne Hölle“ wartet. Auf schmalstem Pfad, gerade mal so viel Platz, um die Bikes zwischen den Bäumen durch zu steuern, heizen wir durch den Wald. Bergab, bergan! Reinste Rollercoaster-Gaudi, ein Riesen-Spaß! Der Weg wird immer enger, die Vegetation immer dichter und immer grüner, Äste schlagen uns ins Gesicht, Dornen kratzen die Arme auf. Haarscharf fliegen die Bäume vorbei. Rock`n Roll. Der „bikebreite“ Trail scheint uns in seinem grünen Rachen verschlingen zu wollen. Einfach so, mir nichts dir nichts. Wurzeln, Steine und Löcher sind in diesem von Büschen, Bäumen und Gras verwachsenen Trail fast nicht erkennbar. Es rattert, staucht und schlägt bedrohlich. Mehr davon! Ja bitte! Pures MTB-Vergnügen! Adrenalin! Körperbeherrschung und Fahrtechnik sind gefordert. Reini hat davon jede Menge. Und auch am Berg lässt er – mich sowieso – aber auch alle anderen stehen wie die Terrakotta Armee, um sich anschließend in jede noch so unwegsame Abfahrt zu stürzen. Ehrfürchtig bestaune ich seine Fahrkunst. Halsbrecherisch. Artistisch. 100% angstfrei. Mir stockt der Atem, aber Reini gibt weiter Gas. Wahnsinn. Das ist ganz großer Sport! Ein letzter „grüner Tunnel“, dahinter ist schon wieder blauer Himmel zu sehen. Das Spektakel scheint vorbei. Grinsende Gesichter strahlen um die Wette. „Saugeil!“, sind sich alle einig. Nach der Fahrt durch Wald, Busch und Gras „überprüfen“ wir unsere Beine. Auf Zecken. Sicher ist sicher. „Das Beste kommt aber noch“, verrät uns Chris schon mal. „Die Abfahrt von der Friesener Warte nach Wernsdorf. Ein echter Knaller“, weiß Chris. „Singletrailiger geht‘s kaum.“ Alle sind heiß, wollen´s zum Abschluss nochmal wissen. Und wieder: Kein Schild, keine Wegmarkierung, schnurstracks links ab und vor allem: Hinunter. Schluchtartig, eng und steil. Vom letzten Regen ausgespült, rüttelt, schlägt und zerrt die störrische Spur mit aller Macht an Mensch und Material. Gegenmittel: Mit aller Kraft den Lenker packen, dagegenhalten. Und: Speed. Das macht diesen Waschbrett-Trail erträglicher. Wir geben alles, was wir haben. Irre. Kurz vor 12. Nach über 30 Minuten Singletrail- & Downhillorgie ist der Rausch vorbei. 4 Stunden MTB-Tour mit spektakulärem Trail liegen hinter uns. Ich bin fix und foxi. Herrlich. Über Wernsdorf, Roßdorf, Hauptsmoorwald, Schloß Seehof rollen die müden Krieger von der wilden Hatz zurück nach Hause. Dusche, Schorle und Sonntagsbraten warten! Verdientermaßen! Und der nächste MTB-Treff!: Uhhhaahhhhhh…! Mountainbike-Zentrum HeiligenstadtDie Region Bamberg bietet gute Möglichkeiten für anspruchsvolles Mountianbiking (MTB). Sehr beliebt sind die Touren des MTB-Zentrums Heiligenstadt. Bestens markiert, warten insgesamt drei Routen auf ambitionierte MTB-ler/innen, die idealtypisch ab Heiligenstadt starten. Von dort aus eröffnen sich auch einige Kombinationsvarianten. Einstiegsmöglichkeiten von Bamberg aus: Am besten Richtung Geisfeld. Zwischen Geisfeld und Litzendorf führt, von der Straße aus rechts, ein Waldweg auf den Geisberg. Am Ende des Weges rechts und weiter geradeaus bis zur nächsten Gabelung, hier links und der „MTB 1“ Beschilderung folgen. Auf gut befahrbaren Waldwegen geht es durch den Wald bis nach Lindach und weiter nach Burggrub. Wer möchte, kann hier auf die MTB-Route 2 abbiegen, die hinauf nach Oberngrub und von dort bis nach Frankendorf über den Senftenberger Keller, Grunzendorf etc. wieder zurück nach Bamberg oder Heiligenstadt führt. Höhepunkte der MTB-Route 1: „Geisberg“: „Panoramaweg“ zwischen Burgrub und Heiligenstadt sowie die anspruchsvolle Abfahrt nach Melkendorf. Am attraktivsten, weil am „singletrailigsten“, wird weithin die MTB-Route 2 „Altenberg“ eingeschätzt. Hier haben die Biker auch die meisten Höhenmeter (ca. 1.000m) zu überwinden. Die „Matzenstein“-Route (Nr. 3) vervollständigt das Streckenprofil. Stammberg & SchammelsbergDer Stammberg ist zwar für MTB-Touren nicht so perfekt erschlossen wie das MTB-Zentrum Heiligenstadt, dennoch ist die immerhin 560 Meter hohe Erhebung für Mountainbiker/innen ein sehr attraktives Revier. Entdeckungsfreudigen Biker seien hier auch spannende Singletrail-Passagen empfohlen. Auf den Stammberg führen mehrere Anstiege. So zum Beispiel die Auffahrt vom Wanderparkplatz ab Schmerldorf. Der Weg führt bis zur Stammberghütte und weiter Richtung Neudorf. Ab Neudorf erschließen sich weitere Touren zu Gügel, Giechburg und Herzogenreuth (hier: Möglichkeit zum Einstieg in Route 1 („Geisberg“) des MTB-Zentrums Heiligenstadt) sowie zum sehr attraktiven Trail durchs Trockental. Markierung führt durchs Trockental. Grundsätzlich von Vorteil ist eine Wanderkarte. Mountainbiken in Bamberg: Aus der Stadt schnell erreichbar, gehört der Bamberger Bruderwald sicher zu den attraktiven Feierabend-MTB-Revieren in unmittelbarer Citynähe. Höhenmetersammler fahren über den Kaulberg am Klinikum vorbei direkt hinein in Bambergs „Grüne Hölle“. Kommoder & noch grüner geht‘s natürlich durch den Bamberger Stadtpark „Hain“ Richtung Bug. Der Bruderwald eignet sich hervorragend für kurze 1- bis 2-Stunden-Waldweg-Trails. Verirren ist, dank guter Beschilderung, fast unmöglich. Variieren dagegen schon. Eine gute Wegenetz-Übersicht bietet u.a. die Karte am “Bierkrug”. Einstiegsmöglichkeiten: In Bug über den „Bierkrugweg“. Oder in Bug ein Stück weiter Richtung Pettsadt, kurz nach der Karl-May-Straße schräg rechts den Waldweg hinauf in den Bruderwald. Anschlussmöglichkeit in Schadlos: Auf den Distelberg mit traumhaftem Blick nach Süden auf die Ausläufer der Fränkischen Schweiz. Einkehrmöglichkeit: Pettstadter Keller!

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