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Internationaler Großmeister Lothar Schmid: „Schach ist ein wundervolles Spiel“

Schach!

 ImageWer jemals in seinem Leben eine Schachfigur bewegt hat, kennt seinen Namen, und das sind viele, viele Millionen allein in Deutschland: Lothar Schmid, Karl-May-Verleger in Bamberg, als Großmeister bei vielen Schach-Olympiaden für Deutschland aktiv und gegen Ende seiner Turnier-Karriere über 30 Jahre lang Oberschiedsrichter bei diversen Weltmeisterschafts-Endkämpfen mit so genialen Strategen auf den 64 Feldern wie Bobby Fischer, Karpow, Kasparow und vielen anderen. Lothar Schmid ist eine Schachlegende. Kürzlich feierte er seinen 80. Geburtstag. playGOLF! hat sich jetzt mit ihm unterhalte

 Text Uto Düthorn | Fotos Alexander Düthorn playGOLF!: Herr Schmid, es gibt ja nicht viele aus unserer Region, die weltweit eine derartige Achtung und Anerkennung gefunden haben wie Sie. In wie viele Länder bzw. Kontinente hat Sie das Schach geführt? Lothar Schmid: Zig Länder in allen Erdteilen waren dabei. Afrika, Australien, Süd- und Nordamerika, China, Japan, Island, Kuba, Sowjetunion und zahlreiche andere Staaten habe ich durch unser wundervolles Spiel im Lauf der Jahrzehnte näher kennen gelernt. Es waren Länderkämpfe, Turniere, Simultanspiele, Vorträge. Nach den schlimmen Kriegszeiten handelte es sich dabei oft um Friedensmissionen. Wie sind Sie eigentlich zum Schach gekommen? In frühester Jugend haben mein Schulfreund Rolf Roennefahrt und ich gemeinsam unser königliches Spiel gelernt, wilde Partien bis zum blanken König ausgetragen und die Entscheidung schließlich durch Ringkämpfe getroffen. Meine weitere Stationen: Schachclub Radebeul, 1943/44 Meister von Dresden und von Sachsen, dann 1947 Meister der Ostzone. Im selben Jahr über die schwarze Grenze Umzug nach Bamberg. Dort Studium der Rechtswissenschaft und mit meinen Brüden Joachim und Roland Wiederaufbau des Karl-May-Verlages, den mein Vater zusammen mit der Witwe des Schriftstellers 1913 gegründet hatte. Seit den 50er Jahren steiler Aufstieg des Bamberger Schachclubs, dessen junge Mannschaft zusammen mit Hansgünter Kestler und vor allem Helmut Pfleger dreimal den deutschen Meistertitel gewann. Sie haben Schach-Größen wie Petrosjan, Keres, Fischer, Spasski, Botwinnik etc. nach Bamberg gebracht, wie haben Sie das geschafft? 1968 feierten wir das 100-jährige Bestehen unseres Vereins mit einem internationalen Großmeisterturnier, das Paul Keres glänzend gewann. Weltmeister Petrosjan teilte mit mir den zweiten Platz. Vorausgegangen war unser sensationeller Sieg über die Russen bei der Schacholympiade in Tel Aviv. Wir gewannen hier ebenso die Bronzemedaille wie schon 1950 in Dubrovnik. Ereignisse, bei denen meine Kontakte mit Weltklassespielern geknüpft bzw. gefestigt wurden. Wie haben Sie eigentlich Ihren Beruf als selbständiger Verleger mit dem doch zeitlich recht aufwändigen Hobby Schach in Einklang gebracht? Es war schon problematisch, jedes Jahr zwei Monate für´s Schach unterwegs zu sein, erst als aktiver Spieler und dann nach einer Berufung durch den FIDE-(Weltverbands) Präsidenten Euwe als Hauptschiedsrichter diverser Einzel-Weltmeisterschaften und der Schacholympiade in Malta. Irgendwie ist es gelungen. Bleibt Ihnen noch Zeit für andere Hobbys? Nein, eigentlich nicht. Ich spielte Tennis und hätte auch gern Golf gespielt, das kam aber aus Zeitgründen leider nicht in Frage. Wie sehr Sie mit dem Schachspiel verbunden sind, dokumentiert Ihre wohl einmalige Sammlung von entsprechenden Büchern und Schachspielen, wobei Sie jede Menge Raritäten aus aller Welt besitzen. Was ist da Ihr wohl seltenstes bzw. kostbarstes Stück? Das ist sicher das erste gedruckte Schach-Lehrbuch der Welt von dem Spanier Lucena aus dem Jahre 1497 mit dem schönen Titel (ins Deutsche übersetzt) „Abhandlungen über die Liebe und die Kunst des Schachspiels“. Dafür bin ich eigens zu einem Buchhändler nach Rio geflogen. Letzte Frage: Welches Ziel haben Sie sich für die Zukunft gesetzt? Ich habe mein ganzes Vermögen investiert, um den einmaligen Nachlass von Karl May zu bewahren, der teilweise über 100 Jahre alt ist, und die Weichen für den weiteren Erhalt des Verlages gestellt. Hier gibt es noch viel zu tun.

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